Erlebnistour · Wandern

Scharnitz Cordevole-Tal

Vater und Sohn zu Fuß über die Alpen – von Scharnitz (bei Mittenwald) ins Cordevole-Tal (nahe Belluno) als Teilstrecke auf dem Traumpfad München-Venedig.

Sommer 2016 · 257,80 km · 13.754 hm

Das Buch öffnen

Vorwort

Vorspann

Nach dem tollen Erlebnis 2014 mit Nikolaus auf der Radtour auf dem Tandem vom Nordkap nach Oslo war klar, dass auch Peik zu seiner Konfirmation am 28.05.2016 eine Erlebnistour geschenkt bekommt. Die Frage war nur: wohin und womit?

Eine Wiederholung der Radtour vom Nordkap nach Oslo schliessen wir ziemlich schnell aus, es soll eine einmalige Sache und keine Kopie werden. Eine Radtour mit anderem Ziel? Keine Radtour, sondern etwas anderes? Peiks grosse Leidenschaft ist das Sammeln von Insekten (hauptsächlich Schmetterlinge). Also entschliessen wir uns irgendwann für eine Wanderung, während der Peik dann Schmetterlinge sammeln kann. Bei der Auswahl der Strecke tun wir uns lange schwer. Wir haben nur 19 Tage Zeit, das ist eigentlich die einzige Rahmenbedingung. Aber wo? Eine Idee ist der Pilgerweg von Oslo nach Trondheim (inspiriert durch die 2 Wandersleute, die ich 2014 auf der Tandemtour getroffen hatte), aber der dauert etwa 40 Tage. Später einsteigen oder früher aussteigen? Irgendwann kam die Idee auf, über die Alpen zu wandern. Nach einigen Recherchen liegt irgendwann das Buch „Traumpfad München-Venedig“ auf meinem Schreibtisch. Nett, mit Wegbeschreibungen und Karten in Tagesetappen aufgeteilt, je Etappe ca. 5 Seiten.

Da die ganze Tour mit 28 Tagen immer noch zu lang ist, beschliessen wir, uns auf die Berge zu konzentrieren, was in 20 Tagen zu schaffen sein soll. Wir kaufen noch 5 Blatt Wanderkarten, die die gesamte Strecke von gut 300km abdecken, werden Mitglied im Deutschen Alpenverein, leihen uns einiges an Ausrüstung zusammen, und machen uns sonst gänzlich unvorbereitet auf den Weg, nachdem wie in Karlsruhe noch meinen 50. Geburtstag gefeiert haben.

Die Route

Streckenbeschreibung

Die Fakten:

  • 257,80 km gelaufen
  • 13.754 Höhenmeter Anstieg
  • 17 Wandertage – keine Ruhetage
  • 74:48:20 Gehzeit

Übernachtungen:

  • Mittenwald (Pension Wörnle) – Einstieg in Scharnitz
  • Hallerangerhaus
  • Hall (Zum Goldenen Engel)
  • Lizumer Hütte
  • Tuxer-Joch-Haus
  • Dominikushütte
  • Stein (Pension Bartlhof)
  • Pfunders (Pension Wieserhof)
  • Kreuzwiesenhütte
  • Würzjoch (Gasthof Ütia de Börz)
  • Puezhütte
  • Pisciadu-Hütte
  • Refugio Viel dal Pan
  • Alleghe (Sporthotel Europa)
  • Tissihütte
  • Passo Duran
  • Rifugio Pian de Fontana
  • Abstieg ins Cordevole-Tal (→ Belluno → Venedig)

Gesamtroute

Inhalt

Von Scharnitz ins Cordevole-Tal

Chronologisch gelesen – wie ein Reisetagebuch, Seite für Seite.

Gesamtstrecke257,80 km
Gesamtzeit unterwegs74:48:20
Gesamthöhenmeter13.754 m

Kapitel 1 · 2. Juli 2016

Anreise nach Mittenwald

Am 02.07.2016 brechen Peik und Peter zu ihrer geplanten Alpenquerung auf. Von Karlsruhe aus fahren wir mit Sabine und Stefan, die am Vortag mit uns unseren 100jährigen Geburtstag feierten, zusammen nach Mittenwald, Stefans Heimatort. Dort kaufen wir die letzten Dinge (Ohropax gegen Schnarcher im Schlafsaal auf den Hütten und ein paar Riegel für unterwegs). Jetzt freuen wir uns auf das EM Viertelfinale Deutschland- Italien, bevor wir eine Nacht bei Fam. Wörnle verbringen dürfen und morgen dann in Richtung Hallerangerhaus aufbrechen. Es ist gutes Wetter gemeldet, wir freuen uns!!

P.S.: De – It 6:5 n.E. (1:1) verdient im Halbfinale und der Fluch gegen Italien ist Vergangenheit.

Kapitel 2 · Etappe 1 · 4. Juli 2016

Scharnitz – Hallerangerhaus

Distanz18,13 kmZeit4:19:43Höhenmeter679 m

Nach leckerem Frühstück und herzlichen Abschied Von Familie Wörnle fährt uns Stefan freundlicherweise an den Ausgangspunkt unserer geplanten Alpenquerung: Scharnitz bei Mittenwald. Am Weisenhof wirft er uns aus dem Auto und wir beginnen unser Abenteuer. Die nächsten 2,5 Stunden wandern wir auf einem breiten Schotterweg entlang der Isar zu deren Ursprung. Es geht ins Hinterautal zu unserem ersten Zwischenstopp, der Kastenalm auf 1200 müN.

Stieg bis dahin der Weg eher gemütlich an, ändert sich das ab der kastenalm deutlich. Der Weg wird steil, die Wanderstöcke werden ausgepackt, und der Puls steigt. Belohnt werden wir durch traumhafte Blicke zurück ins Tal, aus dem wir gerade gekommen sind. Peik ist glücklich, dass die Sonne scheint, und die Schmetterlinge fliegen, von denen er unterwegs zahlreiche fängt. Um 1630 erreichen wir das auf 1768 müM gelegene Hallerangerhaus, eine kleine und gemütliche DAV Hütte, in der wir die erste Nacht unserer Tour verbringen wollen. Die Hütte hat in der Vorsaison auch reichlich Platz und wir bekommen ein Doppelzimmer, wodurch wir die Schnarcher umgehen.

Wir setzen uns unweit der Hütte in die Sonne auf eine Bank und schauen zu, wie nach und nach andere Wanderer eintreffen.

Schließlich stärken wir uns mit Kalbsgoulasch mit Semmelknödel und zu Dessert einem Germknödel.

vor der Bettruhe spielen wir noch mit 4 Mädels UNO und plaudern ein wenig. Eine meinte, als sie erfahren hatte, was wir vor haben : „Ich wäre durch die Decke gegangen, wenn meine Eltern so eine Tour mit mir gemacht hätten“. In diesem Sinne: gute Nacht!

Kapitel 3 · Etappe 2 · 4. Juli 2016

Nach Hall bei Innsbruck

Distanz17,10 kmZeit4:50:20Höhenmeter309 m

2. Tag

Nach knappem Frühstück brechen wir gegen 8:30 Uhr auf. Zum Glück wandern wir noch im Schatten, denn der Aufstieg zum Lafatscherjoch ist steil, wenn auch nur 300 Hm lang. Nach etwa 40 Minuten haben wir das ja noch erreicht und werden mit einer sagenhaften Aussicht auf den Alpen -Hauptkamm belohnt. Die Wolken hängen recht tief, aber reisen ab und zu auf und wir schießen ein paar spektakuläre Fotos.

Wir machen uns auf den Weg bergabwärts. Vom Joch auf 2085 müM nach Hall in Tirol (unserem Tagesziel) sind es 1500 Höhenmeter bergab. Nach etwa 2 Stunden erreichen wir St. Magdalena, einer Kirche mit angeschlossenem Restaurant, in dem wir eigentlich Mittag essen wollten. Leider hat es heute Ruhetag! Zum Glück stehen im Brunnen zur Kühlung ein paar Getränke zur Selbstbedienung bereit.

Wir tauschen drei Almdudler gegen 7,50 € ein und stillen unserem Durst. Die restliche Strecke beginnt mit einem tollen Abstieg durch den Wald, bevor wir den Stadtrand von Absam erreichen. Von hier aus legen wir die letzten Kilometer aus auf Asphalt zurück bevor wir schließlich unser Tagesziel Hall in Tirol erreichen. Heute gönnen wir uns ein Doppelzimmer im vier Sterne Hotel „Zum goldenen Engel“, das haben wir uns verdient. Wir bekommen den Wifi-Code und bringen den Block auf den neusten Stand, damit die zu Hause geblieben uns verfolgen können. Zur Essenszeit dann der beliebte Trick: wir stoppen einen einheimischen und fragen ihn nach dessen Lieblingsrestaurant. Die Antwort ist die Geisterburg, deren Besuch wir nicht bereuen. Die Geisterburgplatte für zwei Personen füllt unseren Kalorienspeicher wieder auf. Hall Hat eine wunderschöne Altstadt, doch leider werden um 19:00 Uhr die Bürgersteige hoch geklappt, so dass wir auf ein Eis als Dessert verzichten müssen. Jetzt schwingen wir uns in die Federn morgen wartet eine lange und zähe Tagesetappe auf uns.

Kapitel 4 · Etappe 3 · 5. Juli 2016

Auf die Lizumer Hütte

Distanz18,48 kmZeit6:15:22Höhenmeter1065 m

Obwohl die Beine nach dem Abstieg von über 1500 HM gestern nach einem Ruhetag verlangen, stellen wir den Wecker auf 7:10. Wir haben von den Ortkundigen Mädels gestern den Tip bekommen, auf die Lizumer Hütte nicht über das langweilige Wattental aufzusteigen, sondern mit der Seilbahn auf die Tulfeinalm aufzufahren und danach über das Naviser Jöchl zu gehen. Die Tagesstrecke ist ohne Seilbahn nicht zu schaffen und auch mit noch lang genug (1100 HM rauf und 1000 HM runter, Gehzeit ca. 7,5 Stunden). Wir starten bei herrlichem Sonnenschein doch als wir uns nach 4,5 h dem Naviser Jöchl nähern, fängt es an zu tröpfeln. Zum Glück nur kurz und vom Jöchl aus haben wir eine grandiose Aussicht ins Nachbartal. Das Jöchl ist mit 2479 MüM die höchste Stelle unserer Tagesetappe und wir müssen einige Schneefelder queren. Ich bin gespannt, wie das wird, wenn wir erst die höchsten Übergänge unserer Gesamten Tour auf etwa 3000 MüM bewältigen müssen. Sind wir zu früh im Jahr gestartet?? Übermorgen kennen wir die Antwort.

Die restlichen 3 Stunden zur Hütte sind zäh und als uns das Essen ausgeht erzähle ich Peik Geschichten aus der Bundeswehrzeit bis wir um 19:00 endlich auf der Hütte eintreffen. Gehzeit heute 10,5 h abzüglich etwa 2 h Pausen. Wir stärken uns mit Tomatensuppe mit Geschnetzeltem und heute bekommt uns das Bett (zum Glück wieder im Doppelzimmer) früh zu Gesicht.

Kapitel 5 · Etappe 4 · 6. Juli 2016

Zum Tuxer-Joch-Haus

Distanz13,07 kmZeit4:47:00Höhenmeter1198 m

Wir starten gegen 8:50 als Letzte von der Lizumer Hütte. Eigentlich hätte ich mehr Betrieb auf den Hütten erwartet, aber bisher war es kein Problem, auch ohne Vorbestellen ein Zimmer zu bekommen. Aber noch haben die Ferien in Österreich nicht angefangen und auch die umliegenden Alpenländer haben nur sehr bedingt Schulferien.

Der heutige Tag beginnt mit einem Anstieg von 800 Höhenmeter auf die Geierspitze (2854). Anfangs in recht gemächlicher Steigung, später dann sehr steil werdend und wieder queren wir einige Schneefelder. Das ist meist unproblematisch, außer man sinkt mit den Wanderschuhen ein, weil sich diese dann mit Schnee füllen und die Socken nass werden lassen. Kurz bevor wir auf die Geierspitze kommen, verdunkelt sich der Himmel und es macht urplötzlich einen mächtigen Donnerknall. Doch glücklicherweise bleibt es trocken und nach weiteren 3 Donnerschlägen ist der Spuck wieder vorbei.

Als wir nach 3 stündigem Aufstieg die Geierspitze erreichen, werden wir durch eine grandiose Aussicht belohnt. Wir blicken direkt auf die Tuxer Alpen, einem sehr beliebten Sommerskigebiet. Wir können gar nicht genug Photos schießen, so herrlich ist der Rundblick hier oben. Aber wir haben ja nur etwa ein Drittel des heutigen Pensums geschafft, auf uns warten ein Abstieg von etwa 350 HM auf die „Toten Böden“ mit anschließenden Aufstieg auf den Gschützspitzsattel. Dieser ist noch luftiger als die Geierspitze und auf der Südseite geht es über 600 HM sehr steil abwärts. Hier ein Fehltritt würde kein gutes Ende nehmen. Wir laufen also konzentriert und entsprechend vorsichtig am Berghang entlang, bin es schließlich weniger steil im Zickzack ins Tal geht. Überall quicken die Murmeltiere, wir sehen eine Kreuzotter (wie findet die hier oben einen Partner?) und in der Ferne eine Gams. Endlich sind wir im Tal, jetzt liegt noch ein letzter Anstieg von nochmals 300 HM auf zum Glück recht gutem Weg vor uns, bevor wir um 17:20 das Tuxer-Joch-Haus erreichen , unsere heutige Übernachtungsstätte.

Kapitel 6 · Etappe 5 · 7. Juli 2016

Über die Friesenbergscharte (höchster Punkt der Tour) zur Dominikushütte

Distanz12,07 kmZeit3:51:25Höhenmeter515 m

Mitten in der Nacht wache ich auf uns massiere meine Oberschenkel und Waden. Tut gut. Als ich dann um 7:20 wieder aufwache, lacht die Sonne vom wolkenlosen Himmel durch das Zimmerfenster. Bessere Bedingungen für die Überschreitung der Friesenbergscharte, mit 2910 MüM der höchste Punkt unserer Alpenquerung, kann man sich nicht wünschen. Beim Frühstück bekommen wir von der Hüttenwirtin den Tip, den Aufstieg zur Friesenbergscharte etwas zu verkürzen, indem wir die Sonnenbergbahn für einen Teil der Höhenmeter zu Hilfe nehmen. Angesichts der noch bevorstehen 15 Wandertage befolgen wir das gerne.

Nach 45 Minuten bergab stehen wir an der Mittelstation zur Seilbahn, die uns auf 2500 m bringt. Wir steigen ein paar Höhenmeter zum Spannagelhaus ab, von wo aus der Anstieg zur Friesenbergscharte beginnt. Die Schneefelder werden mehr und größer, aber stellen kein Problem dar, da der Schnee recht hart ist. Einzige Ausnahme sind die Übergänge von Fels zu Schnee, an denen der Schnee sehr brüchig ist.

Das letzte Schneefeld ist nochmals ordentlich steil und erfordert einige Konzentration, doch gegen Mittag stehen wir dann auf der 2910 hohen Friesenbergscharte. Der Wind pfeift uns um die Ohren und nach kurzem Photo steigen wir auf der anderen Seite ab. Der Weg ist der bisher schwierigste und ist durch Stahlseile gesichert. Ist auch notwendig, da das Gelände neben dem Pfad etwa 100 m mehr oder weniger senkrecht abfällt. Nach etwa 20 Minuten höchster Konzentration wird das Gelände flacher und die restliche Strecke zur Friesenberghütte nutzen wir dann noch für traumhafte Photos.

Als wir die Friesenberghütte erreichen liegen wir gut in der Zeit, der Hunger nagt und die Speisekarte läd zum Verweilen ein. Peik macht sich über einen riesigen Kaiserschmarren her, ich Öfenkartoffeln mit Speck und Sauerrahm. Megalecker. Wir verweilen eine Stunde auf der sonnigen aber zugigen Terasse, bevor wir die restlichen 700 Höhenmeter in etwa 2 Stunden ins Tal absteigen. Als wir an der Dominikushütte ankommen, werden wir schon herzlichen begrüßt. Tore und Imken, die wir am Vortag getroffen haben, und die vom Tuxer-Joch-Haus zur Dominikushütte unter Umgehung der Friesenbergscharte den Bus genommen haben, haben uns schon angekündigt.

Wir haben Glück, denn in der Dominikushütte gibt es einen TV und somit ist das Halbfinale der EM zwischen Deutschland und Frankreich gesichert. Leider 0:2 und aus der Traum von der EM. Aber wir hatten einen unvergesslichen Tag.

Kapitel 7 · 8. Juli 2016

No WiFi – Bad images

Leider war an keiner der bisherigen Übernachtungsstätten (bis auf die Ausnahme Hall am 2. Tag) WiFi verfügbar. Daher kann ich Photos leider nur in schlechter Auflösung veröffentlichen. Ich hoffe, es ist besser als nichts.

Kapitel 8 · Etappe 6 · 8. Juli 2016

Über die italienische Grenze nach Stein

Distanz14,92 kmZeit3:35:12Höhenmeter475 m

Heute kommen wir nur träge in die Gänge, was aber nichts ausmacht, da wir nur eine relativ kurze Etappe vor uns haben. Über Nacht hat der Wirt der Dominikushütte freundlicherweise unsere verschmutzten Klamotten gewaschen, welch ein Luxus!!

Die erste zwei Stunden verlaufen leicht bergauf, auf das Pfitscher Joch, das die Grenze zwischen Österreich und Italien bildet. Da dort auch eine kleine Kapelle steht, gehen viele Pilger diesen etwa 2 Stunden langen Weg (400 HM). Kurz hinter dem Joch steht eine Wirtschaft und da inzwischen die Sonne wieder scheint, lassen auch wir uns dort nieder. Wir treffen auch Inken wieder, die dort auf Tore wartet.

Nach etwa einer Stunde machen wir uns auf den Abstieg ins Nachbartal nach Stein, dem Ziel unserer heutigen Etappe. Wir nehmen nicht den Wanderpfad sondern die etwas längere, dafür aber weniger steile Schotterstraße. Peik nutzt die Gelegenheit, seinem großen Hobby, dem Fangen von Schmetterlingen nachzugehen. Die Begeisterung ist extra groß, als es ihm gelingt, dem in Europa fast ausgerotteten Apollo-Schmetterling zu fangen. Da dieser auf der Roten Liste steht, lässt Peik ihn wieder frei, nicht ohne zuvor den Fang angemessen auf Photo und Video festzuhalten. Gegen 1600 kommen wir in dem Minidorf Stein an, in dem wir heute übernachten werden. Wir haben wieder nichts reserviert, aber schon im ersten der zwei Gaststätten haben sie ein Doppelzimmer für uns frei.

Den Rest des Tages ruhen wir uns aus, denn morgen wartet die bisher längste und anspruchsvollste Tagesetappe auf uns mit insgesamt 2600 Höhenmeter rauf und runter. Gute Nacht!!

Kapitel 9 · Etappe 7 · 9. Juli 2016

Langer Tag nach Pfunders

Distanz14,88 kmZeit4:37:37Höhenmeter1132 m

7. Tag: Pfunders

Der Wecker geht heute um 7:10, Frühstück um 7:30 da wir eine der längsten Etappen vor uns haben. Diese ist in zwei Teile eingeteilt: zuerst ein Anstieg von 1150 Höhenmeter (ca 4 Stunden) und danach ein Abstieg von 1500 Höhenmeter (ca 3 Stunden). Schon kurz nach unserem Aufbruch haben wir den ersten Stopp, den Peik wollte nochmals an die Stelle zurück laufen, an der er gestern die äußerst seltenen Apolloschmetteringe gefunden hatte. Leider ist es heute bewölkt, so dass der Abstecher erfolglos bleibt.

Der Aufstieg ist lang und zäh. Anfangs durch Wald und dichte Vegetation, später über Wiesen und schließlich über Geröllfelder. Etwa 30 Minuten bevor wir den Grat der höchsten Stelle erreichen, setzt Nieselregen ein. Wir legen zum ersten Mal auf der Wanderung unsere Regenklamotten an. Als wir am Grat stehen, pfeift uns der kalte Wind um die Ohren und wir verweilen uns nur kurz. Auf der anderen Seite wartet wieder ein Schneefeld, aber kaum sind wir ein paar Minuten abgestiegen, wird es merklich wärmer und wir ziehen wieder kurze Klamotten an.

Nach etwa einer Stunde Abstieg kommen wir an einer gemütlichen Alm vorbei und gönnen uns Holunderschorle und Ziegenkäse aus eigener Herstellung mit Brot. Lecker!!

Kurz nach Aufbruch von der Alm erspäht Peik seltene Schmetterlinge und begibt sich auf die Jagd. Ich laufe weiter und an der nächsten Abzweigung warte ich eine halbe Stunde auf ihn. Er ist von seinem Fang begeistert wie auch schon auf der gesamten Wanderung. Als er mir erklärt, dass ihm die Tour viel besser gefällt, als er sich das im Voraus vorgestellt hatte, ist das auch für mich ein gutes Gefühl.

Gegen 1700 treffen wir auf eine geteerte Fahrstrasse, auf der wir noch 400 Höhenmeter auf 4 km absteigen sollten. Da wir das ziemlich langweilig fanden, fragen wir kurzerhand ein Wanderpäärchen, das gerade zum Auto zurückkehren, ob sie uns freundlicherweise die 4 km mitnehmen können und haben Glück. So ersparen wir uns die letzte Stunde auf Asphalt und kommen gut gelaunt zum Wieserhof, unserem heutigen Schlafplatz.

Zum Abendessen gibt es Käseknödel aus der eigenen Käserei. Oberlecker!!! Ich nutze auch noch die Waschmaschine, um einige Klamotten zu waschen.

Kapitel 10 · Etappe 8 · 11. Juli 2016

Auf die wunderschöne Kreuzwiesenhütte

Distanz17,93 kmZeit4:56:21Höhenmeter1290 m

Kapitel 11 · Etappe 9 · 11. Juli 2016

Entspannt aufs Würzjoch

Distanz15,45 kmZeit4:29:22Höhenmeter728 m

Heute war wieder ein wunderschöner Tag mit herrlichem Sonnenschein und Temperaturen bis 30 Grad. Morgen sieht der Wetterbericht düster aus mit viel Regen und Gewitter und Temperatursturz und übermorgen sogar bis zu 5 Minusgrade tagsüber!! Wir überlegen, wie es weitergeht.

Kapitel 12 · Etappe 10 · 12. Juli 2016

Im Regen auf die Buez Hütte

Distanz13,11 kmZeit3:54:23Höhenmeter886 m

Wir brechen früh auf, denn ab 10:00 sind Gewitter gemeldet. Nach 2 Stunden und 350 Höhenmeter erreichen wir die Schlüterhütte, die letzte Viertelstunde im Regen laufend und in der Ferne Donnergroll hörend. Auf der Schlüterhütte machen wir frühe Lunchpause mit Bratkartoffeln und Spiegelei. Gegen 12 hoffen wir, dass sich das Gewitter verzogen hat, so dass wir wieder aufbrechen können.

Kapitel 13 · Etappe 11 · 13. Juli 2016

Sonne und Regen über das Grödner Joch

Distanz12,39 kmZeit3:41:39Höhenmeter779 m

11. Tag: Auf die Pisciadu-Hütte

Die Nacht ist nicht gut. Wir liegen in einem Schlafsaal mit 4 Stockbetten je 3 Leuten. Keine Lüftung! Wir legen uns gegen 21:45 aber ich wache schon um 24:00 wieder auf. Ich koche. Nachdem ich vom WC zurück komme, versuche ich durch Offenlassen der Zimmertür für etwas Frischluft zu sorgen, aber einem derer, die an der Tür liegen, schließt sie sofort wieder. Weiterschwitzen! Draußen donnert und blitzt es heftig und der Regen prasselt an das Dachfenster. Irgendwann schlafe ich doch wieder ein, aber schon um 6:10 fängt die erste Person aus dem Zimmer an, in ihren Plastiktüten zu kramen und die Nacht ist endgültig vorbei.

Hat den Vorteil dass wir schon gegen 8:00 aufbrechen können. In strahlenden Sonnenschein machen wir uns auf den Weg von der Puez-Hütte in Richtung Grödner-Joch, wo wir heute Zwischenstopp machen wollen. Wir kommen nicht weit, zu grandios ist die Aussicht und wir kommen nicht umhin, einige Photos zu schießen. Der Weg über das Ciampaijoch ist unanstrengend. Als wir das Cir-Joch erklimmen kommen uns viele Wanderer entgegen, die vom Grödner Joch gestartet sind und hier hochlaufen. Als wir gegen Mittag das sehr schöne aber leider auch extrem touristifizierte Grödner Joch erreichen, ziehen dunkle Gewitterwolken auf. Gerade rechtzeitig laufen wir ins Restaurant ein, um dort Mittag zu essen. Während dessen schüttet es draußen los. In der Hoffnung auf Besserung verweilen wir recht lange im Trockenen und überlegen, ob wir auf die nächste Hütte aufsteigen sollen, oder nicht. Da das Grödner Joch allerdings ein echtes Touriloch ist, fällt die Entscheidung nicht wirklich schwer.

Als wir das Restaurant verlassen, hört es auf zu regnen. Der Weg ist steil bergauf und ich weiß nicht, wie wir den Berg erklimmen sollen, denn ich kann keinen Pfad ausmachen. Nach einem kurzen Stück geht es im Zickzack noch steiler und schließlich mündet der Pfad in einem kleinen Klettergarten. Stahlseile und Trittstufen erleichtern den Aufstieg die nächsten 20 Minuten. Darüber sind wir wirklich sehr froh, denn mittlerweile hat der Regen wieder eingesetzt, wodurch die Steine sehr glatt sind, und über uns grollt auch wieder der Donner. Gerade zu dem Zeitpunkt, an dem wir oben ankommen, reißt die Wolkendecke auf und wir haben eine gigantische Aussicht.

Kapitel 14 · Etappe 12 · 14. Juli 2016

Im Neuschnee am Piz Boe vorbei

Distanz8,82 kmZeit2:36:59Höhenmeter521 m

Heute Nacht ist die Schneefallgrenze auf ca. 2000 m gefallen – wir sind auf 2550 und wollten heute noch auf 3000. Blick aus dem Fenster heute morgen zeigt die Landschaft von gestern: schneebedeckt!!

Beim Frühstück hören wir den Wetterbericht und der sagt besseres Wetter für die zweite Tageshälfte voraus. So warten wir bis 9:30, bevor wir uns auf den Weg machen. Der Neuschnee macht das Gehen nicht einfacher, aber auch nicht viel schwerer. Nach etwa 30 Minuten Gehzeit sind wir am nächsten Kletterseil angelangt. Das ist teilweise gefroren, aber glücklicherweise nicht sehr lange. Kurz danach sind wir auf der Hochebene und laufen in angenehmer Umgebung in Richtung Boe-Hütte, die auf fast 2900 MüM liegt. Auf dem Weg dorthin kommen wir auch nochmals auf 2970 MüM und damit auf den höchsten Punkt unserer Tour. In der Boehütte essen wir zu Mittag und laufen dann in etwa einer Stunde weiter auf die Pardoi-Scharte, von der aus eine Seilbahn ins Tal fährt und unseren Knien 600 Höhenmeter Abstieg in 5 Minuten Fahrzeit abnimmt.

Von der Talstation der Seilbahn am Pardoi-Joch zu unserem heutigen Tagesziel, dem Refugio Viel dal Pan sind es nochmals 200 Höhenmeter aufwärts, was wir aber in 90 Minuten hinter uns bringen. Dabei wandern wir angenehm wieder über mit Erde bedecken Wegen, den Blick auf die Königin der Dolomiten, der Marmelada (3343MüM), gerichtet, die sich in ihrer ganzen Schönheit rechts des Weges erhebt.

Am Refugio angekommen haben wir wieder Glück, denn wir bekommen ein recht komfortables Zimmer. Jetzt ist Duschen, Ausruhen und Bloggen angesagt. Und Ausrüstung trocken!!

Kapitel 15 · Etappe 13 · 15. Juli 2016

Lange Etappe nach Alleghe

Distanz22,55 kmZeit5:07:55Höhenmeter1191 m

Heute gingen wir die längste Etappe unserer Tour, etwa 25 km und über 1500 HM abwärts (200 HM aufwärts) nach Alleghe. Der Tag begann in 2500 m Höhe bei wenigen Plusgraden und endet auf knappen 1000 m Höhe und Temperaturen von über 20 Grad. Lang aber klasse. Und morgen beginnen wir mit unserer letzten Gebirgskette, die wir in den nächsten 4 Tagen überqueren wollen, bevor wir in Belluno ankommen, wo wir unsere Wanderung beenden werden.

Kapitel 16 · Etappe 14 · 16. Juli 2016

Zur spektakulären Tissihütte

Distanz5,65 kmZeit1:50:30Höhenmeter541 m

Trotz guter Betten im 4-Sterne Hotel Europa bin ich schon um 6:00 wach, was auch daran liegt, dass wir im Doppelbett liegen und nur eine Bettdecke haben, die mir Peik immer wieder wegzieht. Ich nutze die Zeit bis zum Aufstehen zum Reservieren eines Hotels in Venedig, wo wir zum Abschluss unserer Tour noch einen Tag verbringen möchten, bevor wir von dort aus nach Stuttgart zurückfliegen.

Nach gemütlichem Hotelfrühstück ist der Magen bis zum Anschlag gefüllt und wir machen uns auf zur Seilbahn, die uns 1000 Höhenmeter unseres heutigen Aufstiegs von 1700 Höhenmeter abnimmt. Die nächste Stunde wartet viel bergauf bis zu einer Hütte, aber nicht sonderlich gemütlich und außerdem überfüllt, so das wir lieber ein Stück weitergehen und uns am Ufer eines kleinen Gebiergssees in die Sonne zu legen. Power Nap!! Anschließend laufen wir weiter zu unserem Tagesziel, der Tissihütte, die sehr spektakulär an der Kante des Berges liegt, der über 1000 Höhenmeter steil nach Alleghe abfällt, wo wir die letzte Nacht verbracht haben.

Wenige Meter entfernt liegt das gewaltige Civetta-zMassiv, einer der höchsten Erhebungen der Dolomiten (3218 MüM).

Kapitel 17 · Etappe 15 · 18. Juli 2016

Lange Etappe auf den Passo Duran

Distanz21,05 kmZeit6:09:47Höhenmeter863 m

Um kurz nach 6 Uhr ist die Nacht beendet, den die ersten beiden Stunden unserer heutigen Etappe sind identisch mit dem Streckenverlauf des Berglaufs Rund um den Civertta. Wir haben keine übermäßige Lust, in einem Gegenverkehr von 2000 Läufern zu geragten und wandern bereits um 7:20 (!) los. Nach knapp 2 Stunden erreichen wir die Louzino-Hütte, die auch zweite Verpflegungsstation vom Berglauf ist. Soweit wollten wir auf alle Fälle kommen, bevor wir auf Läufer treffen. Nachdem wir das geschafft haben, lassen wir uns Zeit für eine kleine Stärkung, denn wir haben heute keine Vesper dabei und die nächste Einkehrmögöichleit ist erst in 4 Stunden.

Kurz nachdem wir uns wieder auf den Weg machen, kommt um das erste Läuferpaar entgegen. Dann das zweite, das dritte und bald ein nicht endend wollender Strom von Läufern, die im vorderen Feld joggend, die etwas später gehend, und die ganz zum Schluss nehmen sich sogar eine Pause, und bitten uns, Erinnerungsphotos zu machen.

Als der Strom langsam abebbt verlassen auch wir den Schotterweg, auf dem sich die Läufer aufwärts gekämpft und wir abwärts spaziert sind, und gehen für die nächsten 2 Stunden auch wieder bergauf, auf einem tollen Pfad durch den Wald.

Es geht gut voran, denn nach über 2 Wochen mit jedem Tag zwischen 5 und 7 Stunden wandern sind wir eingelaufen. Hatten wir nach 2 Tagen noch Muskelkater und besonders an den Tagen 3, 4 und 5 recht steife Oberschenkel und Waden, hat sich unser Körper inzwischen an die Belastung gewöhnt. Auch der Rücken hat sich an den Rücksack gewöhnt, und wir spüren das Gewicht von ca. 11-12 kg nicht mehr (außer etwas beim Bergauf gehen). Auch die Wehwehchen an den Füßen (sprich Blasen und Druckstellen) halten sich in Grenzen. Peik hat heute sein erstes Compreed verlangt, ich habe seit Beginn der Tour eines auf meiner rechten Verse, seit 3 Tagen eines unter meinem linken Großzeh (Blase) und eines auf meinem linken Großzeh (Druckstelle). Sonst alles gut, auch Dank regelmäßiger Pflege mit Pferdesalbe und Fusscreme.

Gegen 14:30 sind wir endlich an der Hütte, an der wir unseren Durst stillen können. In den Dolomiten gibt es, im Gegensatz zum Alpenhauptkamm, kaum Bäche, an denen man sich zwischendurch erfrischen kann. Und bei dem fast wolkenlosen Himmel und mangelnder Trinkwasserversorgung auf der Tissihütte sind wir wahrlich zrockengelaufen. Frisch gestärkt bringen wir auch noch die letzten 45 Minuten Gehzeit hinter uns und erreichen gegen 1600 unser Tagesziel, leider ohne Netz und Wifi, also ohne Möglichkeit, den Blog zu aktualisieren.

Kapitel 18 · Etappe 16 · 18. Juli 2016

1300 Höhenmeter hoch und 1300 Höhenmeter runter

Distanz18,36 kmZeit6:02:38Höhenmeter1285 m

Heute steht, quasi als Krönung unserer Tour, bis auf den Tag von Stein nach Pfunders, die längste Etappe auf unserem Programm: wir müssen in über 7 Stunden Gehzeit (ohne Pausen gerechnet) 1300 Höhenmeter Aufstieg und 1300 Höhenmeter Abstieg bewältigen.

Die ersten beiden km verlaufen entlang der Passstraße auf Asphalt, dann geht es schlecht ausgeschildert in den Wald. Nach einer halben Stunde sind wir im Zweifel, wie der Weg weitergeht. Wir stehen mitten in einem Gebiet mit Holzfällarbeiten. Durch diese wurde der Weg verlegt und weder GPS noch Karte helfen uns weiter. Als wir recht unbeholfenen im Gelände rumstehen , nähert sich eine kleine Wandergruppe, die wir nach dem Weg fragen. Es sind Locals und nach einer Minute sind wir wieder auf dem richtigen Weg. Nach etwa 2 Stunden kommen wir an einen kleinen Brunnen, an dem wir das letzte Mal für die nächsten 2 Stunden unseren Wasservorrat auffüllen können. Auf angenehmem Weg geht es voran, manchmal über Geröllfelder, dann wieder durch Latschen oder größere Waldstücke, meist leicht ansteigend. Gegen 14:30 erreichen wir das Refugio Sommeriva al Pramperet, wo wir eine kurze Pause nutzen, um Pasta zu essen. Das Refugio liegt zwar recht schön, aber weder die Leute, die dort arbeiten, noch das Angebot an Speisen und Getränken ist entsprechend, so dass der Aufbruch leicht fällt.

Die heutige Reststrecke hat es dann in sich. Zuerst geht es im Zickzack über Geröllfelder aus die 2097 hohe Portela Del Piazedel, dann über große Steinplatten weiter aufwärts und zum Abschluss bringt uns luftiger Anstieg auf fast 2400 Hohen Forcella de la Sud dei Van di Citta. Von dort haben wir nicht nur eine grandiose Sicht, sondern auch einen Abstieg von über 850 sehr steilen Höhenmetern vor uns. Wir sehen unser Tagesziel, die Rifugio Pian de Fontana schon lange, aber der Abstieg dorthin geht nochmals ordentlich in die Knie. Als wir um 18:00 dort einlaufen (nach über 8 Stunden reiner Gehzeit) werden wir von einer sehr gemütlichen Hütte (vielleicht die gemütlichste der gesamten Tour?), sehr netten Wirtsleuten und Prima Essen belohnt.

Auf der Hütte gesellt sich noch eiN Münchner zu uns an den Tisch, der die Konversation mit der Frage eröffnet: „wer hat Dich denn zu dieser Reise gezwungen?“. Als wir ihm dann die Geschichte erzählen, hat er dafür wenig übrig. Jedem das seine, vielleicht kein Zufall, dass er alleine unterwegs ist 😉

Abends schießen wir noch einige Bilder von den umliegenden Bergen und spielen Mäxle, bevor wir um kurz nach 22:00 höflich aufgefordert werden, die Haupthütte zu verlassen und in unsere ebenfalls sehr Schnuckelichen Schlafhütte (15 Betten, 7 belegt) mit eigenem WC/Dusche zu gehen. Bleibt zu erwähnen, dass die Dusche nur kaltes Wasser hatte, was aber den Wasserverbrauch erheblich reduziert und im Gegenzug unsere Durchblutung ebenso erheblich gefördert hat.

Kapitel 19 · Etappe 17 · 19. Juli 2016

Letzter Wandertag und Fahrt nach Venedig

Distanz13,84 kmZeit3:42:07Höhenmeter297 m

Ich kann mir kaum vorstellen, dass heute unser letzter Wandertag auf unserer Alpenquerung sein soll. Nach 17 Tagen ununterbrochenem Wandern, fast 300 km, etwa 14000 Höhenmeter Aufstieg und etwas mehr Abstieg sollen wir heute das letzte Mal die Wäsche in wasserdichte Packbeutel packen, alles nochmals zum Schutz vor Regen in einen großen Müllsack packen, die Füße mit Compeed verpflanzen, Damenstrümpfe überziehen, danach Wollsocken, und schließlich rein in die inzwischen recht geruchsintensiven Wanderschuhe, den Rucksack Schultern, in die Schlaufen der Wanderstöcke schlüpfen und – hoffentlich mit gefüllter Wasserflasche – loslaufen: unvorstellbar!!

Die letzte Etappe der Alpenquerung nach Belluno bietet heftige Kletterei, bei der ein Klettersteigset unabdingbar ist. Da wir keines haben, bleibt nur der Abstieg ins Cordevoletal.

Wir starten entspannt von unserem Refugio, da die Etappe nur mit rund 4 Stunden veranschlagt wird. Nach 150 HM Abstieg haben wir den letzten Anstieg auf die Forcella de La Varetta (1704), den wir in knapp 30 Minuten bewältigen. Vom Pass aus haben wir eine tollen Ausblick auf das Refugio der letzten Nacht und die Schiara (die Partie mit dem Klettersteig). Aus uns warten 1400 Höhenmeter Abstieg, wobei die erste Hälfte ziemlich auf die Knie gehen. Nach ca. 2 Stunden sind wir am Refugio Bionchet, wo 2 Männer gerade damit beschäftigt sind, einem soeben fertiggestellten Alpenhorn den letzten Schliff zu geben. Wir verweilen bei Holunderschorle und Pasta. 2,5 Stunden vor Abfahrt des Busses im Cordevoletal machen wir uns auf restlichen Höhenmeter, recht entspannt für 2 Stunden auf einer geschotterten Fahrstrasse.

Im Cordevoletal treffen wir auf eine sehr viel befahrene Schnellstraße, von der wir den Bus nach Belluno nehmen. Vorher bleibt aber noch Zeit für ein kurzes Bad in einem Gebiergsbach, ein echtes Highleight zum Abschluss.

Auf unserer Alpenquerung folgen wir schon seit mehreren Tagen dem sehr bekannten Höhenweg 1 (ich glaube es gibt insgesamt 7) durch die Dolomiten. Die Bushaltestelle im Cordevoletal, die 300 m oberhalb der Stelle liegt, an der der Dolomitenhöhenweg beginnt bzw. endet, ist damit für viele Wanderer. Hier stehen die meisten mindestest einmal, die entweder für die Alpenquerung dem „Traumpfad München – Venedig“ oder aber dem Dolomitenhöhenweg 1 folgen.

Entsprechend treffen wir auch an der Bushaltestelle mehrere Grüppchen, die wir auch schon von der ein- oder anderen Hütte her kennen.

Wir, das sind seit fast 14 Tagen nicht mehr nur Peik und ich. An unserem 3. Wandertag haben wir abends auf der Lizumer Hütte zwei Wanderer getroffen, die auch die Alpen queren wollten: Tore und Inken, zwei Freunde aus Bonn. Dadurch, dass wir in etwa das gleiche Tempo gewandert sind, haben wir uns anfänglich abends auf den Hütten wiedergetroffen, sind ins Gespräch gekommen, fanden uns sympathisch, haben Schlafsääle geteilt, später auch meist 4-Bettzimmer und sind in den gemeinsamen Tagen immer mehr zusammengewachsen. Am Ende der Wanderung wurden wir sogar für eine Familie gehalten. Wir hatten auf alle Fälle großen Spaß zu viert. Leider trennen sich unsere Wege nach der halbstündigen Busfahrt nach Belluno, weil Peik und ich vor unserem Rückflug nach Stuttgart noch einen Tag in Venedig verbringen wollen, aber Tore und Inken keine Lust auf Menschenmassen in einer Stadt haben.

Nach herzlicher Verabschiedung am Bahnhof fahren wir mit dem Zug weiter Richtung Venedig, dauert mit Umsteigen und Wartezeit von 50 Minuten etwa 2,5 Stunden. Die letzten Kilometer fährt der Zug auf dem Damm, der Venedig mit dem Festland verbindet. Schon im Bahnhof ist sehr heiß mit Menschen und Lärm überall. Welch ein Kontrast zu kühler Alpenluft und 10 Wanderern pro Tag (plus ein paar mehr auf den Hütten).

Das Hotel in Venedig, das ich vor einigen Tagen von unterwegs aus gebucht habe, liegt wenige Gehminuten vom Markusplatz entfernt und damit vom Bahnhof als Standort fast auf der anderen Seite von Venedig, 2,5 km Fußweg oder 30 Minuten Wassertaxi. Unsere Wahl fällt auf letzteres, das Wassertaxi ist recht leer, im Gegensatz zu denen, die die umgekehrte Richtung nehmen. Kurz nach der Rialto-Brücke steigen wir aus und kurze Zeit später sind wir im Hotel eingecheckt. Jetzt ist erstmal auf dem Bett ausstrecken und chillen angesagt. Gegen 8 machen wir uns auf den Weg Richtung Markusplatz und anschließend in eine Pizzeria, um den Hunger zu stillen.

Kapitel 20 · 20. Juli 2016

Kosedag in Venedig

Wir wachen früh auf, anscheinend sind wir den Rhythmus der Alpen gewöhnt. Hat aber Den Vorteil, dass wir ein wenig von Venedig sehen können, bevor die ganzen Touristen auftauchen. Also beschließen wir, einer der Hauptattraktionen von Venedig, dem Markusplatz, nochmals einen Besuch abzustatten. Wir haben auch die Möglichkeit, ein Photo von der Säufzerbrücke zu machen, als nur wenige Touristen auf den Beinen sind. Als sich der Markusplatz langsam füllt und auch die Warteschlangen vor den noch nicht geöffneten Kirchen und Museen länger werden, schlendern wir zurück zum Hotel und genießen das reichhaltige Frühstück im Freien auf der Hotelterrasse.

Kapitel 21 · 22. Juli 2016

Rückflug und Ende der Tour

Wir frühstücken gemütlich in Venedig auf der Terrasse unseres Hotels und schauen den endlosen Strom an Touristen dabei zu, wie dieser an der Terrasse vorbei – mehr oder weniger begeistert – in Richtung Markusplatz zieht. Uns bleibt das zum Glück erspart, wir nehmen das Wassertaxi vom Hotel direkt an den Flugplatz. Dauert 45 min, auch wegen des enormen Verkehrs auf den Kanälen, auf denen sich Gondeln, Wassertaxis und Lastkähne, die Venedig mit Waren versorgen, den wenig vorhandenen Platz teilen müssen.

Der Rest ist Transport: Einchecken mit AirBerlin nach Stuttgart, S-Bahn an den Hauptbahnhof, Zug nach Karlsruhe, Strassenbahn nach Neureut, zu Fuß die letzten Meter. Um 16:25 stehen wir wieder zu hause!

Die Fakten: